Toxoplasmose steuert Dein Essverhalten

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Quelle: https://www.geo.de/natur/oekologie/6281-rtkl-toxoplasmose-wie-parasiten-uns-steuern

Der Erreger der Toxoplasmose macht Mäuse leichtsinnig, um zu seinem Endwirt, der Katze, zu gelangen. Doch auch Menschen sind betroffen – jeder Dritte, glaubt der Evolutionsbiologe Jaroslav Flegr.

Zu den Darmparasiten zählen so unangenehme Zeitgenossen wie Amöben, Giardien, Bandwürmer, Fadenwürmer, Peitschenwürmer, Spulwürmer, Madenwürmer, Hakenwürmer und einige mehr. Wahrscheinlich sind Sie sicher, dass Sie derart abscheuliche Darmbewohner keinesfalls beherbergen. Doch die Wahrscheinlichkeit, dass auch Sie von einem Parasitenbefall betroffen sind, ist grösser als Sie denken.

Darmparasiten gelangen auf unterschiedlichen Wegen in den Körper

Am häufigsten gelangen Parasiten im Ei-Stadium über kontaminierte Lebensmittel und Trinkwasser in den Darm. Sie können jedoch ebenso von infizierten Insekten (z. B. Flöhe, Zecken, Stechmücken), anderen Menschen oder Haustieren übertragen werden.

Auch beim Sex kann eine Übertragung der Parasiten stattfinden. Besonders beim Analverkehr ist die Ansteckung gross, da sich die meisten Parasiten inklusive ihrer Eier in Kotablagerungen versteckt halten oder sich beispielsweise im Falle der Madenwürmer sowieso bevorzugt in der Nähe des Darmausganges aufhalten und dort auch ihre Eier ablegen.

Die Larven einiger Würmer gelangen über die Haut direkt ins Blut. Von dort aus werden sie weiter zur Lunge transportiert, wo sie zu starkem Husten führen oder gar eine Lungenentzündung auslösen können. Über die Atemwege gelangen sie dann in den Rachenraum, um schliesslich durch das Schlucken im Verdauungstrakt zu landen.

Die Larven anderer Parasiten wiederum entwickeln sich im Zwölffingerdarm, bevor sie weiter in den Dickdarm wandern und dort heranwachsen.

Manche Darmparasiten sind ausserdem in der Lage, die Dickdarmwand zu durchbohren. So gelangen sie ins Blut und können sich über diesen Weg im ganzen Körper verteilen.

Ein Parasitenbefall kann Auslöser vieler Krankheiten sein

Parasiten sind Lebewesen, die sich von ihrem Wirt (Pflanze, Tier, Mensch) ernähren. Daher ist es nicht verwunderlich, dass ein Parasitenbefall immer mit einem Mangel an Nähr- und Vitalstoffen einhergeht. Alleine daraus können sich, je nach Alter und allgemeiner gesundheitlicher Situation des Betroffenen, die unterschiedlichsten Krankheiten entwickeln.

Parasiten scheiden zudem toxische Stoffwechselprodukte aus, die den Darm ebenso belasten wie die Leber und das Immunsystem. Im Darm können sie zu Symptomen wie starken Blähungen, chronischer Verstopfung, chronischem Durchfall, Magen- und Darmgeschwüren etc. führen.

Gelangen die Parasiten letztlich in den Blutkreislauf oder in das Lymphsystem, so können sie sämtliche Organe erreichen und deren Gewebe angreifen. Es entstehen Entzündungsprozesse, die Erkrankungen der betroffenen Organe auslösen.

Entwickelt sich ein chronischer Entzündungsverlauf, besteht die Gefahr einer selbstzerstörerischen Überreaktion des Immunsystems aufgrund einer völligen Überlastung. In diesem Zustand ist das Immunsystem ausser Kontrolle geraten.

Eine derartige Entwicklung hat schliesslich die Entstehung so genannter Autoimmunerkrankungen zur Folge, bei denen das Immunsystem auch gesundes Gewebe angreift und zerstört. Zu diesen Erkrankungen zählen Morbus Crohn, Arthritis, Psoriasis, Multiple Sklerose und viele weitere. Auch Krebserkrankungen liegen häufig chronische Entzündungen zugrunde.

Darmparasiten entwickeln Überlebensstrategien

Ein starkes Immunsystem kann normalerweise das Einnisten der Darmparasiten verhindern, indem es spezifische Antikörper bildet. Einige Parasiten haben jedoch ganz perfide Überlebensstrategien entwickelt, die es dem Immunsystem unmöglich machen, gegen sie vorzugehen.

Manche Darmparasiten verändern immer wieder ihre Oberflächenstruktur, indem sie sich häuten. Auf diese Weise kann der Parasit von einschlägigen Antikörpern nicht mehr als Eindringling erkannt werden und entwischt den Abwehrmechanismen des menschlichen Wirts.

Andere Parasiten geben bestimmte Stoffe ab, die das Immunsystem dazu anregen, vermehrt sog. regulatorische Zellen zu produzieren. Dieser Zelltypus unterdrückt die gesunde Immunreaktion des Körpers, so dass sich der Parasit nun ungestört entwickeln, heranwachsen und womöglich vermehren kann.

Zudem profitieren sämtliche Darmparasiten von einem ungesunden Darmmilieu. Je schlechter die Darmsituation eines Menschen ist, umso besser können sich die Schmarotzer in den zahlreichen verschmutzten Nischen der Darmwand oder gar in bereits bestehenden Divertikeln (sackförmigen Ausstülpungen) einnisten und sich dort unbehelligt vermehren.

Parasiten werden bei der Diagnose oft nicht in Betracht gezogen

Ein Parasitenbefall ist häufig schwer zu diagnostizieren, da die parasitären Symptome sehr unspezifisch sind. Viele Ärzte erkennen oftmals keinen Zusammenhang zwischen einer parasitären Infektion und einer schweren Erkrankung. Zu leicht können die Symptome mit anderen Erkrankungen verwechselt werden und entsprechend unwirksam wird die darauf ausgerichtete Therapie sein.

Ein weiterer möglicher Grund für eine Fehldiagnose könnte darin bestehen, dass heute kaum ein Mediziner einen Parasitenbefall (Darmparasitose) in Betracht zieht. Es scheint so, als glaube man ärztlicherseits immer noch, dass Parasiten ausschliesslich ein Problem tropischer Länder sowie Länder der Dritten Welt seien. Doch dies ist nicht der Fall.

Diagnose von Darmparasiten

Eine Stuhldiagnose erbringt häufig ein eher zweifelhaftes Ergebnis, da sich die Darmparasiten im Schutz der Schleimschichten und – falls vorhanden – in den Divertikeln verbergen und so im Stuhl nicht nachweisbar sind.

Ausserdem wird bei einer Stuhlprobe nicht der gesamte Stuhl untersucht. Es werden Stichproben genommen, so dass es einem Glückspiel gleicht, ausgerechnet dort auf Eier oder Larven zu stossen – wenn es sich nicht gerade um einen massiven Befall handelt.

Auch ist daran zu denken, dass Parasiten einem gewissen Zyklus unterliegen. Das heisst, heute kann der Stuhl noch frei von Parasiteneiern sein. Am nächsten Tag hingegen wird man fündig, da die Parasiten erst dann in die Eiablagephase wechselten.

Aussagekräftig werden Stuhlproben daher erst, wenn die Proben von mehreren unterschiedlichen Tagen untersucht werden.

Bei Madenwürmern, die besonders oft bei Kindern auftreten, wird ein Klebestreifen von der Analregion abgezogen. Daran bleiben die Madenwurmeier haften und lassen sich dann im Labor nachweisen.

Auf Parasitenbefall lässt häufig auch eine Untersuchung des Blutes schliessen. Bei manchen Parasiten können spezifische Antikörper nachgewiesen werden, z. B. bei Spul- und Hakenwürmern, die im Darm leben, aber auch beim Hunde- und Fuchsbandwurm, der sich in Form einer sog. Finne (Brutkapsel) meist in der Leber einnistet.

In der Finne entstehen nun über etliche Monate hinweg viele kleine Larven, die jetzt – ziemlich aussichtslos – darauf warten, dass der Mensch von einem Hund oder von einem Fuchs gefressen wird. Erst dort könnten sie sich dann wieder zum adulten Hunde- bzw. Fuchsbandwurm entwickeln.

Ein Egel-Befall (z. B. mit Lungen- oder Leberegeln) kann ebenfalls über einen Antikörpertest eingegrenzt werden. Zusätzlich werden Stuhlproben genommen. Zur Not könnte ausserdem eine Punktion der Gallenblase durchgeführt werden. Bei einem Befall mit dem Leberegel gelangen nämlich die Eier des Egels mit der Gallenflüssigkeit (die in der Leber produziert wird) von der Leber in die Gallenblase.

Ein auf Parasitenbefall spezialisierter Therapeut wird ferner das Blut auf Anzeichen einer sog. Eosinophilie untersuchen. Eine Eosinophilie bezeichnet ein verstärktes Aufkommen von Eosinophilen im Blut. Die Eosinophilen wiederum gehören zu den weissen Blutkörperchen. Erhöht sich deren Konzentration im Serum zusehends, dann ist dies meist entweder auf eine Allergie oder auf Parasitenbefall zurückzuführen.

Alternative Diagnoseverfahren (z. B. Bioresonanz, Delta-Scan oder ähnliches) werden von naturheilkundlichen Therapeuten häufig eingesetzt, sollten aber besser von schulmedizinischen Diagnoseverfahren bestätigt oder zumindest ergänzt werden.

Parasiten können überall sein

Parasiten können also jedes körperliche System infiltrieren: das Blut, die Lunge, die Leber, die Nieren, das Herz, das Muskelgewebe, die Wirbelsäule, die Bauchspeicheldrüse, die Haut, die Augen, die Nieren, die Gebärmutter und sogar das Gehirn.

Folglich können die unterschiedlichsten Symptome auftauchen. Da diese in der Regel aber nicht in Verbindung mit einem möglichen Parasitenbefall gebracht werden, können auch die angewandten Therapien oftmals nicht erfolgreich sein.

Der Therapeut steht sodann nicht selten vor einem Rätsel, der Patient ist entmutigt und die Krankheit entwickelt sich munter weiter.

Bei Symptomen also, die sich durch welche Massnahmen auch immer, einfach nicht eindämmen lassen, sollte grundsätzlich auch an Parasiten gedacht werden. Konsultieren Sie in diesem Fall am besten einen auf Parasitosen spezialisierten Arzt.

Infizierte Mäuse verlieren ihre Angst vor Katzen

© Jakob Helbig/cultura/Corbis

Es ist der am weitesten verbreitete Parasit der Welt – Toxoplasma gondii. Jeder dritte Mensch ist mit ihm infiziert. Seine Hauptwirte sind Katzen – und nur in ihnen kann er sich vermehren. Andere Tiere wie Mäuse, Vögel, aber auch Menschen, werden nur als Vehikel benutzt, um von einer Katze zur nächsten zu gelangen.

Wie der Parasit etwa eine Maus zum Zwischenwirt umfunktioniert, das ist schon gespenstisch. Da Mäuse naturgemäß Angst vor Katzen haben, wendet der Parasit einen Trick an, um zum Ziel zu gelangen. Einmal im Körper des Wirtes angelangt, verschanzt er sich in der Leber und im Gehirn seines Opfers, um von dort seinen Terrorfeldzug anzutreten. Infizierte Mäuse fühlen sich nahezu magisch angezogen von Katzen, fliehen vor ihrem Fressfeind nicht, sondern laufen ihm direkt in die Arme. Die britische Parasitologin Joanne Webster konnte dieses Verhalten in einer Studie auch im Labor nachweisen. Der Parasit programmiert seine Wirte auf Selbstmord.

Seit über 15 Jahren forscht der tschechische Evolutionsbiologe Jaroslav Flegr an der Karls-Universität Prag an der Frage, welchen Einfluss eine Infektion mit Toxoplasmose auf den Menschen hat. Ihn interessierte vor allem, ob bei infizierten Menschen ähnliche Verhaltensänderungen wie bei den Mäusen auftreten. In einer großangelegten Versuchsreihe mit mittlerweile zehntausend Probanden zeigte sich, dass sich die Persönlichkeit von mit Toxoplasmose Infizierten tatsächlich verändert. Und je länger die Infektion andauert, desto größer sind offenbar die Veränderungen. Besonders bei Männern beobachtete Flegr eine signifikante Steigerung der Risikobereitschaft – gepaart mit einer Abnahme der Reaktionsfähigkeit. Flegr fand zudem heraus, dass die Wahrscheinlichkeit, in einem Autounfall verwickelt zu werden, für Infizierte mehr als zweieinhalb Mal höher ist. Die Risikobereitschaft seiner Opfer ist für den Parasiten deshalb wichtig, da auch einst der Mensch zu den Beutetieren von Großkatzen gehörte.

Die genauen biochemischen Abläufe, die zu dieser Fernsteuerung führen, sind noch nicht eindeutig geklärt. Nachweisen kann man nur, dass der Testosteronspiegel bei infizierten Männern immens ansteigt, während er bei Frauen im gleichen Maß sinkt.

Flegrs „Manipulations-Hypothese“ am Beispiel der Toxoplasmose ist aber kein Einzelfall in der Natur. Das Syphilisbakterium, das bei sexuellen Kontakten übertragen wird, sorgt zum Beispiel dafür, dass sein Wirt sexuell aktiver wird. Um so seine Weiterverbreitung zu sichern. Und der Saugwurm Euhaplorchis californiensis manipuliert Fische so, dass sie an die Oberfläche schwimmen und dort so lange mit Zappeln auf sich aufmerksam machen, bis der Endwirt, ein Vogel, sie bemerkt und frisst.